„Ja, wir engagieren uns, miteinander und füreinander!“

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Nachberichterstattung zum Regionalforum „Ja, wir engagieren uns, miteinander und füreinander!“ am 30. April 2019 im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Demokratie heißt Mitmachen – Die Bedeutung der politischen Bildung für die Deutschen aus Russland

Kann man Partizipation durch politische und kulturelle Bildung erhöhen? Mit dieser und weiteren komplexen Fragen beschäftigte sich das zweite Regionalforum der Otto Benecke Stiftung e.V. (OBS). Knapp 60 Gäste waren in die Räumlichkeiten des MKFFI (Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration) des Landes Nordrhein-Westfalen auf Einladung der OBS zusammengekommen, um die spannenden Vorträge und Diskussionen zur Frage des politischen Engagements der Deutschen aus Russland zu verfolgen. Eröffnet wurde das Regionalforum mit einem Grußwort Heiko Hendriks, Beauftragter der Landesregierung für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern, der deutlich machte, dass „es ein zentrales Anliegen der Landesregierung sei, politische Bildung für die Deutschen aus Russland zu fördern“. Seinem Grußwort schloss sich ein Fachvortrag von Prof. em. Dr. Ursula Boos-Nünning an.

Im Zentrum des Regionalforums stand die Vorstellung des „Modellprojekts zur Erprobung von Angeboten inter- und intrakultureller Bildung in nordrhein-westfälischen Organisationen der Deutschen aus Russland“ (IKuDaR), das der Verein zur Integration von russlanddeutschen Aussiedlern (VIRA e.V.) und die OBS in Kooperation mit der Landesgruppe NRW der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland seit August 2018 durchführen. Inhaltliche Schwerpunkte des Projektes sind Angebote zur politischen und kulturellen Bildung, die informieren und letztendlich die Partizipation der Zielgruppe an politischen Prozessen erhöhen sollen. „Das ist nicht einfach“, so Christian Sprenger der LmDR aus Düsseldorf, „aber ein Rundgang im Haus der Geschichte in Bonn kann zum Beispiel dazu beitragen, dass wir anschließend gemeinsam über Fragen der Wahlbeteiligung oder Möglichkeiten der Partizipation diskutieren.“ Diesen praktischen Ansatz bestätigt auch Tatjana Weber des JSDR, die sich mit innovativen Angeboten für Kinder und jüngeren Erwachsenen befasst. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass Jugendliche besonders dann Interesse an dem Thema zeigen, wenn es im Rahmen von Freizeiten oder Sportveranstaltungen dargeboten wird und globaler gesehen wird. Ganz unter dem Motto: `Heimat ist da, wo WLAN ist´.“

Eine zentrale Frage blieb dabei offen, nämlich inwiefern die Zielgruppe vorhandene Strukturen nutzen kann, selbstbewusst und selbstverantwortlich auf politische Prozesse und Entscheidungen Einfluss zu nehmen. „Gesellschaftlicher Zusammenhalt braucht politische Teilhabe, und wir wollen, dass alle Bürgerinnen und Bürger aktiv die Entwicklung der Gesellschaft mitgestalten“, so Alexander Kühl von VIRA e.V.

Auch das zeigt das Projekt IKudaR: dass Wege gefunden werden müssen, um jeden Einzelnen anzusprechen, zu informieren und zu motivieren. Denn besonders die Partizipation erhöht die Akzeptanz von politischen Entscheidungen, führt zu mehr Verantwortungsübernahme und Identifikation und trägt letztlich dazu bei, die Distanz zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Politik deutlich zu verringern. So wurde in der Diskussion mit Vertretern des Landtags NRW auch deutlich, dass die These, dass die AfD die Lieblingspartei der Russlanddeutschen sei, empirisch nicht haltbar ist. „Eine gewisse Politikverdrossenheit ist vermutlich ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und einfache Lösungen gibt es heutzutage zu den komplexen Themen in unserem Leben nicht mehr,“ so Herr Dr. Lothar Theodor Lemper, Geschäftsführender Vorsitzender der Otto Benecke Stiftung e.V., „Allerdings gilt es auch hier, die obersten Grundwerte unserer Demokratie in Deutschland selbstbewusst und gegen rechte Haltungen zu verteidigen. Denn: Besser jetzt erst recht, als jetzt nach rechts!“ so Dr. Lemper in seinem Abschlussplädoyer.

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